Kinder kämpfen um ihren Spielplatz
22.März 2010
Spielplatz in der Georg-Wilhelm-Straße
Für die, die heute Nachmittag am Ende des Kurfürstendamms in Halensee unterwegs waren, bot sich ein schönes Bild. Vor einer Eisdiele hatten sich drei engagierte Jungs mit einem selbst mitgebrachten roten Tisch platziert und sprachen selbstbewusst und unbeirrt vorübergehende Passanten an. Ziel war das Sammeln möglichst vieler Unterschriften für ihr Anliegen - eine Freifläche auf einem Spielplatz.
Hier und da konnte man uninteressierte Passanten sehen, aber auch Diskussionen ließen sich beobachten, die Dank des Engagements der Jungs mit einer Unterschrift endeten.
Hintergrund ist die Neugestaltung eines Spielplatzes in der Georg-Wilhelm-Straße. Der Spielplatz war bisher ein recht einfach gestalteter Platz mit einem größeren Spielgerät, einer Schaukel, etwas Wildwuchs und viel Freifläche zum Spielen. Im vorderen Teil befand sich noch eine Fläche, die wie ein notdürftiger Bolzplatz aussah. Dieser Spielplatz wurde vor allen Dingen von den älteren (5-9 jährigen) anwohnenden Kindern genutzt. Einige Jungs trafen sich zum Fußballspielen, aber auch andere Ballspiele, Seilspringen, Frisbee etc. gehörten zum Bild des Spielplatzes. Die Neugestaltung sieht keine freie, ebene Fläche mehr vor. Eine "Hügellandschaft" soll ihnen jetzt die Freifläche bieten.
Der Spielplatz wird erst im Mai eröffnet, aber schon jetzt wirkt er überfüllt. Überall stehen Spielgeräte, die eher an einen Kleinkinderspielplatz erinnern. Viele der anwohnenden Kinder sind total enttäuscht und wütend. Sie können nicht verstehen, warum ihnen der Platz genommen wird.
Da das Fußballspielen zu den Lieblingsbeschäftigungen der Jungs gehört und der Spielplatz ihr Treffpunkt war, versuchen sie nun auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen und Unterstützung zu bekommen. Ob es noch eine Chance für die Jungs und die anderen enttäuschten Kinder gibt, weiß man nicht. Die Familien hoffen und versuchen zu retten, was zu retten geht.
Diese Neugestaltung ist wieder ein schönes Beispiel dafür wie viel Geld in etwas investiert wird, das an den Bedürfnissen der eigentlichen Nutzer vorbeigeht. Schade, dass niemand auf die Idee gekommen ist die anwohnenden Kinder und Eltern nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu fragen. Der Spielplatz wäre sicherlich kostengünstiger geworden und man hätte das ein oder andere Spielgerät auf einen der vielen vernachlässigten Spielplätze im Bezirk verteilen können. Viele anwohnende Familien der Georg-Wilhelm-Straße wären glücklich und viele andere Familien im Einzugsgebiet anderer Spielplätze hätte man ebenfalls glücklich machen können. Leider nicht nur schade, sondern verdammt ärgerlich.