Dreirädrige Jogger mit polierten Alufelgen zum Preis von einem Kleinwagen erwärmten noch nie mein pragmatisches Vaterherz. Preiswert und stabil sollte der Kinderwagen sein, obendrein genügend Platz für die Einkäufe sollte er haben und natürlich musste eine stabile Hinterachse dem Bewegungsdrang des größeren Zweitkindes auf dem Kiddyboard standhalten. Das Aussehen war unwichtig.
Ich wollte keinen Porsche. Eher eine Art A-Klasse nach bestandenem Elchtest. Bei einem Elchtest wird mit hoher Geschwindigkeit und ohne zu bremsen ein Spurwechsel nach links und nach kurzer Geradeausfahrt nach rechts gefahren. In Schweden hieß der Elchtest übrigens einmal passenderweise
Kindertest.
Für jeden, der in Berlin seine Kleinen auf den Gehwegen der Seitenstraßen schiebt, ist eine hohe Seitenstabilität des Kinderwagens von essentieller Bedeutung. Sobald nämlich die Haustür hinter einem ins Schloss fällt, setzt man sich zwangsweise dem Risiko aus von Hochgeschwindigkeitsradlern über den Haufen gefahren zu werden.
Jedenfalls verdanken wir der lieben Verwandtschaft unseren "Gesslein", Modell Mitte der Neunziger. Der war aufgrund des Designgeschmacks der damaligen Zeit definitiv kein optisches Highlight. Aber ansonsten erfüllte er die wichtigsten Kriterien und unsere Kinder haben ihn - wie auch zuvor die Kinder des Schwagers - schadenlos überstanden. Ich würde sagen, er war so etwas wie ein Mittelklassewagen. Weder besonders geländetauglich, schon gar nicht sportlich ausgelegt, aber eben zweckmäßig zum Einsatz im Großstadtverkehr. Einzig negative Ausnahme war ein widerspenstiges Vorderrad. Es löste sich, einer merkwürdigen Routine folgend, immer dann von der Achse, wenn wir eine vierspurige Straße überquerten.
Liebe Ingenieure, wann nehmt Ihr Euch endlich dem "Treppenproblem" an?
Für einen Steuermann bzw. die Steuerfrau eines Kinderwagens ist ein großes und bisher - soweit ich weiß - ungelöstes Problem: Treppen. Unendliche Treppen vor U-Bahnen, in öffentlichen Gebäuden, Cafés, Parks, im Urlaub. Dabei liegt die (zugegebenermaßen theoretische) Lösung so nahe: ein luftkissenbetriebener Allrounder. Der würde wie von selbst die Stufen auf und ab gleiten. Dafür würde ich sogar auf die Fernsteuerung und den Einschlaf-Schaukel-Automatismus verzichten.
Mehr Erfahrungsberichte und Meinungen zu Kinderwägen und Buggys gibts auf dem Blog bei
Papa-Online