Wie erklärt man Kindern, wie Wahlen funktionieren? Am besten mit Geistesblitzen. Kinder wollen schnelle und einfache Antworten. Politik ist schließlich auch nur vergängliches Tagesgeschäft.
Liebe Kinder, sicher habt ihr euch auch schon gefragt, warum eigentlich überall wichtig dreinblickende Männer und ein paar Frauen auf Plakaten die vielen Straßen säumen.
Nun, es ist Walzeit. Ihr wisst schon, Wale sind die riesengroßen Fische, die eigentlich Säugetiere (= wie wir Menschen) sind. Damit wir nicht vergessen, wie sie aussehen, haben sie überall ihre Walplakate aufgestellt.
In der Regel will ein Bundestagswal (= grosser Fisch, der eigentlich gar kein Fisch sondern meistens ein älterer Mann ist) nach vier Jahren im Bundestag (= Haifischbecken) weitere vier Jahre dort verbringen. Denn ein Bundestagswal erhält bereits nach acht Jahren im Bundestag so viel Rente (= Geld das man bekommt wenn man alt ist und nicht mehr arbeitet) wie eure Eltern, die dafür allerdings 30 oder noch mehr Jahre arbeiten müssen.
Damit Wale groß und stark bleiben, müssen sie eine Menge fressen. Um stets genügend Futter zu finden, brauchen sie viele kleine Helferfische. Diese Fische nennt man Parteimitglieder. Sie schwimmen dem Bundestagswal ständig hinterher, befreien ihn von lästigen Parasiten (= Menschen, die nicht arbeiten wollen) oder halten Konkurrenzfische ("mit Dir spiele ich nicht mehr") fern. Vor allem die bösen Konkurrenzfische könnten dem Bundestagswal sonst das Futter wegschnappen. Dieser Fressneid ist komisch, denn eigentlich sind Bundestagswale ständig, also noch mehr als Eure Mamas, auf Diät. In der Walkampfzeit reden sie aber nie darüber. Lieber reisen sie in ihre Walbezirke und reden über eine Menge anderer Dinge, ohne allerdings viel zu sagen. Das ist wenig verwunderlich, denn Wale können ja eigentlich gar nicht sprechen. Stattdessen geben sie wohlklingende Laute von sich, die erstmal der Mittelschicht (=Leute, die zur Mittelschicht gehören, wohnen meist in Berlin-Mitte) gefallen sollen. Das nennt man dann Walkampf.
Wale aalen sich gerne im Sonnenlicht. Das wollen auch viele andere Fische. So ist es manchmal ganz schön eng an der Wasseroberfläche. Aber die Wale setzen sich fast immer durch indem sie viel heiße Luft produzieren, die sie in großen Fontänen (= wie der Wasserstrahl bei einem Springbrunnen) in die Luft pusten. Diese Fontänen gefallen manchen Walbeobachtern so gut, dass sie oft lange und meist langweilige Geschichten über die Bundestagswale schreiben, die man dann in Zeitungen nachlesen kann. Viele kleinere Konkurrenzfische können keine großen Fontänen ausstoßen. Um zwischen den großen Bundestagswalen trotzdem aufzufallen, müssen sie sich deshalb viel einfallen lassen. Seit Neuestem sieht man auf Walplakaten sogar den
'Arsch in der Hose' oder das
Dekolleté (= fast der Busen) von einigen
Frauenfischen.
Wahrscheinlich denken die Besitzerinnen, dass, wenn ihnen sowieso keiner zuhört wenigstens noch jemand hinguckt, bevor sie in den Tiefen des Haifischbeckens verschwinden. Dafür können nämlich dein Papa oder deine Mama sorgen. Wenn ihr sie in die Walkabine (= schaut so ähnlich aus wie die Umziehkabine im Freibad) begleiten dürft, haben sie einen Zettel dabei. Da kann man dann Kreuzchen drauf machen, so ähnlich wie beim Schiffe versenken.