Lesen, schreiben, rechnen lernen, all das klingt einfach normal und ist so unglaublich schwierig. Zumindest wenn das eigene Kind zu den "Lernanfängern" gehört. Unsere und viele andere Familien haben soeben einen Ablehnungs-Widerspruchs-Hoffen-Bangen-Marathon teils hinter sich, zum größten Teil aber noch vor uns.
Offizieller Schulbeginn in Berlin ist im September 2009. Die Eltern der Schulanfänger haben erst in diesen Tagen nach vielen Monaten Wartezeit einen Bescheid vom zuständigen Schulamt erhalten. Wenigen wurde die erhoffte Wunschschule zuerkannt. Vielen nicht. Einige konnten mit der Nennung von Zweit- und Drittwünschen das Schlimmste verhindern. Viele nicht.
Andere meldeten ihr Kind gleich an einer Privatschule an. "Das Schlimmste" ist in den Augen vieler Eltern die Einzugsschule. "Warum in die Ferne schweifen...", danach fragt in den Berliner Innenstadtbezirken schon seit Jahren eine große Zahl bildungsinteressierter Eltern nicht mehr.
Jahr für Jahr setzt eine "Binnenwanderung" in die Außenbezirke oder gleich weg aus Berlin ein. Auf dem
Bildungskongress des Landeselternausschusses war von 3.000 Schülern der 7. - 10. Klassen zu hören, die jedes Jahr aus Berlin-Mitte an Schulen in den Randbezirken wechseln. Die Zahl der Schulanfänger an den Grundschulen ist hier nicht eingerechnet.
Die Situation an den Schulen, der Unwille der Politik, das System. Zu marode, zu hoffnungslos, zu trostlos. Das Recht auf freie Schulwahl verkommt zur Farce. Diese und tausend Gründe mehr führen einem die konkrete Situation des Berliner Schulwesens gerade in der intensiven Schulfindungsphase mehr als deutlich vor Augen.
"Brandbriefe" heißen die neue Wunderwaffe, in denen verzweifelte Rektoren die Öffentlichkeit wachrütteln und mehr Geld vom Senat zur Verhinderung des Kollapses fordern. Eine Reform jagt die nächste und trotzdem ändert sich nichts. Wie auch. Falls eine Maßnahme nach einem Jahr noch keine Früchte trägt, wird sofort wieder Geld ins System gepumpt. Die teils überlastete Lehrerschaft darf sich dann mit dem nächsten Reförmchen herum schlagen.
Wer sich im Internet bewegt, findet zahlreiche negative Berichte auch aus anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen. Warum, fragt man sich, genießt das Thema "Bildung" nicht bereits allerhöchste Priorität auf den politischen Agenden?
Man stelle sich mal vor, nur ein Bruchteil der Milliarden zur Bewältigung der Finanz- und sonstiger Krisen fließt gezielt in das Bildungssystem. Positivbeispiele sind durchaus vorhanden, nur leider hört und liest man davon nichts.